Far Cry 5 bringt uns nach Amerika, in dem der christliche Glaube ins Extreme umschlägt. Nur wie nah ist das an der Realität?

Quelle: https://www.forbes.com/sites/insertcoin/2018/03/28/ten-things-i-wish-i-knew-when-i-started-far-cry-5/#44737b1665d2

Der fünfte Teil der erfolgreichen Far Cry-Reihe erschien am 27. März dieses Jahres und wurde von Ubisoft Montreal entwickelt.

Es handelt sich hierbei, wie bei den anderen Teilen auch, um ein Action-Adventure mit einer Open World, welche in der Ego-Perspektive erkundet wird.

Die Handlung spielt in der fiktiven Kleinstadt Hope County in Montana, die eine typische ländliche Idylle in einem Grenzgebiet der USA darstellt.
Das Antagonist des Spiels ist Joseph Seed, ein Priester, der sich selbst als von Gott ausgewählten Führer einer Gemeinschaft sieht, die den Kollaps der Zivilisation überleben und somit nach Eden kommen soll. Deswegen nennt er seine Sekte/ seinen Kult „Project at Eden’s Gate“. Dies entwickelt sich zu einem radikalen Kult, der Menschen dazu zwingt beizutreten und den Kontakt zur Außenwelt abzubrechen, sie einschüchtert und Gegner foltert und tötet.
Die Bewohner der Stadt, die sich der Sekte nicht anschließen wollen, versuchen sich zu wehren und schaffen das nur, wenn sie ein entsprechendes Waffenarsenal haben.
Der Spieler selbst schlüpft in die Rolle eines Deputy Sheriffs, der zum Widerstand gehört und der Joseph Seed verhaften soll.

Interessant an dem Spiel ist, dass auch bereits in dem Trailer der Kult Verbindungen zwischen Religion und Patriotismus aufzeigt. Beispielsweise wird Seed auf dem Podium in der Kirche dargestellt, wie er seinen rechten Arm mit einem Gewehr in der Hand hebt und damit zu Gewalt aufruft. Links hinter ihm ist eine amerikanische Flagge zu sehen, die nicht alleine die Sterne auf der blauen Fläche haben, die für die 50 Bundesstaaten stehen, sondern eine Art Kreuz.
Auch das Promobild des Spiels zeigt den Priester, wie er an einem Tisch sitzt, der mit einigen Elementen und der Komposition der Personen und Gegenstände, an das Bild von Jesus beim Abendmahl erinnert. Auf dem Tisch liegt eine amerikanische Flagge, hierbei wurden die Sterne durch dieses eben genannte Kreuz ersetzt. So zeigt das Bild schon den Größenwahn, den Joseph Seed um seine Person verfallen ist.

Durch die Einführung des Charakters Jerome Jeffries, der wie Seed ein Priester ist, kommt ein Antipode ins Spiel. Denn Jeffries ist auch ein Mann des Glaubens, aber beide Charaktere werden mit komplett entgegen gesetzten Attributen versehen, obwohl sie im gleichen Rahmen der Kirche dargestellt werden.
Das soll verdeutlichen, dass nicht jeder der glaubt, direkt so extrem wird, wie Seed es ist.

Das die Entwickler diesen Charakter eingeführt haben, könnte eine Reaktion auf die Aufrufe aus der USA sein, die aufkamen, als die Handlung und der Ort des Spiels erstmals veröffentlicht wurde. Viele drohten an das Spiel zu boykottieren, da Religion und Patriotismus in den USA auf extreme, Gewalt behelligende Art und Weise dargestellt werden. Sie hielten die Darstellung als nicht angemessen und forderten die Entwickler auf das Spiel zu ändern oder komplett einzustellen.
In den USA prägen, vor allem protestantische, Religionsgemeinschaften sehr viel mehr das öffentliche Leben, als es in Europa der Fall ist. Religiöse Rhetorik und Symbolik gehören oft zum Alltag dazu, weshalb ein Spiel mit einem solchen Thema kritisch zu sehen ist.

Das das Spiel eingestellt oder geändert wurde, ist nicht passiert und Ubisoft hat an seinem ursprünglichen Plan festgehalten. Ob der Priester Jeffries als Antipode eingeführt wurde, um die Gesamtsituation etwas zu entkräften kann, hier nur eine Vermutung bleiben.

Nun dazu wie viele Parallelen es zwischen dem Spiel und der Realität gibt.

Als Erstes wird eine Sekte dadurch definiert, dass es sich um eine religiöse Gemeinschaft handelt, die sich von der Mutterreligion abgespalten hat und Aspekte des Glaubens für sich selbst missbraucht. Das trifft auch das das „Project at Eden’s Gate“ zu, da es eigentlich zum protestantischen Glauben gehört, aber sich selbst als das „non plus ultra“ sieht und nur sie ein Recht auf Gottes Gnade und den Eintritt nach Eden haben. Das alleine zeigt schon, dass sie dem normalen Glauben, dass alle Menschen gleich unter Gott sind, nicht mehr entsprechen.
Auch die Anwendung von Gewalt und Mord für den Glauben ist das, was sogar explizit gegen die Gebote in der Bibel spricht, obwohl sie Gott und die Heilige Schrift immer noch als zentralen Punkt ihres Kultes anpreisen.

Weitere Merkmale einer Sekte sind Einschränkung der Meinungsfreiheit, Bewegungsfreiheit, wirtschaftliche Ausbeutung der Mitglieder (Sekten finanzieren sich oft nur durch private Spenden) und sexuelle Ausbeutung. Auch hier sieht man Verbindungen zu dem Spiel. Die Mitglieder der Sekte werden dazu aufgefordert, den Kontakt nach außen abzubrechen und sich somit komplett auf die Gemeinschaft zu konzentrieren. Ebenfalls stellt sich Joseph Seed als „Vater“ dar und sein Wort ist Gesetz, was die eigene Meinung der Mitglieder einschränkt oder ganz unterbindet. Der Punkt der wirtschaftlichen Ausbeutung wird im Spiel nicht deutlich, ist aber definitiv zu unterstellen, da sich die Menschen komplett dem Kult hingeben und alles außerhalb aufgeben sollen. Da aber auch die Versorgung der Menschen mit Nahrungsmitteln gewährleistet werden soll, ist es sehr wahrscheinlich, dass auf das Vermögen zurückgegriffen wird.
Die sexuelle Ausbeutung wird im Spiel auch nicht gezeigt (soweit ich es an meinem jetzigen Stand meines Wissens beurteilen kann), aber ein Personenkult impliziert sehr oft, dass Frauen sich zu solchen Männern mit Charisma und Macht hingezogen fühlen und sich komplett hingeben wollen, natürlich auch sexuell um seine Gunst zu erwerben. Es kann natürlich auch so sein, dass Seed selbst eher enthaltsam leben will, um seine Reinheit und Stellung zu festigen. Sein Auftreten lässt mich aber daran zweifeln.

Sekten locken Menschen vor allem mit Versprechen an, wie eine Familie, Geborgenheit, Verständnis, Freundschaft und Ähnliches. Sie bedienen sich oft daran, Menschen zu manipulieren, die sich an einem Tiefpunkt in ihrem Leben befinden und keinen Sinn mehr sehen. Diese Menschen lassen sich leichter bekehren.
Um keine Zweifel aufkommen zu lassen, wird manchmal mit Schlafmangel, wenig Essen und einem straffen Tagesplan gearbeitet. Jeder hat immer eine Beschäftigung, ist dabei müde und hungrig und schafft es so nicht, die Methoden des Kults anzuzweifeln und sich davon zu lösen. Sie sind in einem Teufelskreis gefangen.
„Project at Eden’s Gate“ bedient sich am Anfang daran Menschen zu bekehren und ihnen das zu sagen, was sie hören wollen und die Welt, so wie sie jetzt, ist zu bezweifeln. Später versucht sie vor allem mit dem Androhen von Gewalt, die Menschen zu überzeugen und bei sich zu behalten.

Das Joseph Seed sich selbst als „Vater“ bezeichnet und sich, als eine Art Messias/Prophet darstellt, der als Einziges dem rechten Weg folgt, bezieht sich auf den Glauben daran, dass Jesus eines Tages auferstehen wird und die Menschen in den Himmel führt. Er will seine Gemeinschaft nach dem Kollaps der Zivilisation selbst nach Eden führen.
Er sieht in sich selbst die Personifizierung Jesus, und da er sich „Vater“ nennt, kann man beinahe schon sagen, dass er so größenwahnsinnig ist, dass er sich selbst als die Heilige Dreifaltigkeit sieht.
Er hebt den Kult um seine Person wortwörtlich in dem Himmel.

Das er sich zu dem noch an dem Thema der Apokalypse bedient, die in der Offenbarung behandelt wird, ist etwas, das viele Sekten in der Realität auch machen. Denn die Angst nicht in den Himmel zu kommen, ist für viele Gläubige ein wichtiges Thema, da sie nichts mehr fürchten als sich nicht vom Irdischen lösen zu können oder gar in der Hölle zu landen.
Wenn sich jemand also, der sehr charismatisch ist, als eine Art Messias verkauft, der einen ins Himmelsreich führen kann, dann springen sehr viele Menschen darauf an und genau das macht sich Seed zunutze.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Thematik in Far Cry 5 nicht sehr weit hergeholt ist. Natürlich ist die extreme Gewalt bei einem Ego-Shooter nicht zu vermeiden, passt aber auch in den Kontext, dass man mit Gewalt alles durchbringen kann, auch wenn es ein total übertriebener Glaube ist. Außerdem kommt dem Spiel am Setting natürlich zugute, dass es sich um die USA handelt.
Drückt man es einfach aus: Meiner Meinung nach sind Amerikaner dafür bekannt, in dem was sie machen extrem zu sein und auch der Glaube wird viel mehr und stärker ausgelebt, als es in Europa der Fall ist.

Demnach kann man sagen, dass so eine Szenerie nicht unmöglich erscheint. Geschichtlich sind schon sehr viele Leute auf einen Anführer wie Seed reingefallen.
Der Realitätsbezug von dem Spiel ist definitiv dar und gut umgesetzt.

Das Spiel bietet also nicht nur den typischen Spielspaß, für den die Reihe bekannt ist, sondern bietet auch ein Thema, welches in einigen Teilen der USA und der Welt generell, wenn man auch andere Religionen betrachtet, möglich ist.

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